Kupferstechkunst


Kupferstechkunst

Kupferstechkunst, Chalkographie, die Kunst, auf einer Kupferplatte vertiefte Zeichnungen hervorzubringen, von denen, nachdem sie mit Druckerschwärze oder andersfarbiger Flüssigkeit versehen sind, Abdrücke (Kupferstiche) auf der Kupferdruckpresse gemacht werden können. Die älteste und vornehmste Stichgattung ist die Grabstichel- oder Linienmanier, bei welcher zuerst das Vorbild auf die blanke Platte gepaust, dann die Zeichnung und Schattierung leicht angelegt, zuletzt die Striche (Taillen, Schraffierungen) mehr oder weniger tief eingegraben werden. Sie ist höchstwahrscheinlich eine Erfindung der Deutschen, von denen Kupferstiche von 1441 (Passion) und 1451 (Madonna mit Kind) bekannt sind; größere Vollendung zeigen die Stiche des Meisters E.S. von 1466 und dann des Martin Schongauer; den Gipfelpunkt hierin erreichte in Deutschland Albr. Dürer, in den Niederlanden Lukas van Leiden, in Italien Raimondi. Im 17. Jahrh. führte Rubens eine neue Epoche, das goldene Zeitalter der K., herbei, in der sich Vorsterman, Pontius, van Bolswert, Soutman, Suyderhoef, Visscher, dann die franz. Meister de Poilly, Nanteuil und bes. Masson auszeichneten, und in der die klassische Vollendung durch Edelinck erreicht wurde, dem noch die beiden Drevet folgten. Von spätern sind noch berühmt G. F. Schmidt, Wille, Volpato, J. G. von Müller, R. Morghen etc., und nachdem im 18. Jahrh. neben dem Grabstichel auch die Radiernadel in Gebrauch gekommen, Desnoyers, Richomme, Longhi, Toschi, Forster etc., in neuerer Zeit Calamatta, Keller, Felsing, Henriquel-Dupont, Jacoby, Eilers etc. – Der Kartonstich gibt in Linienmanier nur die Umrisse, allenfalls mit leichter Schattierung. Die Punktiermanier, bei der die Schattierung durch anfangs mit der Goldschmiedspunze geschlagene (größter Meister J. Lutma um 1681), später mit Rouletten (scharfspitzige Rädchen) aufgedrückte Punkte gegeben wird, war im 18. Jahrh. in England sehr beliebt (Bartolozzi u.a.). Aus ihr bildete sich im 18. Jahrh. die Kreide- oder Krayonmanier (Nachahmung von Kreidezeichnungen). Bei der geschabten Manier, Schabmanier oder Schwarzkunst (ital. mezzotinto) wird die Platte vermittelst der sog. Wiege mit feinen Punkten übersät, so daß sie gleichmäßig schwarz aussieht, worauf mit dem Schabeisen und Polierstahl Lichter hervorgebracht werden; von L. von Siegen (1639-41) erfunden, bes. in England von Smith, Green, MacArdell, Earlom ausgebildet. Ihr ähnlich ist die Bunt- oder Farbenstichmanier und Aquatinta (s.d.). Die Kupferstiche bilden einen Hauptzweig des Kunsthandels; wichtig sind die verschiedenen Folgen der Kupferstichabdrücke (s. Abdruck). – Über die Technik der K. vgl. Longhi (1837), Lalanne (franz., 1866), Herkomer (engl., 1892). Biographisches: Bartsch, »Le peintre-graveur« (21 Bde., 1803-21), Andresen, »Der deutsche Peintre-Graveur« (16.-18. Jahrh., 1864-78), ders., »Die deutschen Malerradierer« (19. Jahrh., 1866-77); über die Geschichte der K. die Werke von Lützow (1891), Lippmann (1893), Singer (1895 und 1904) und Kristeller (1905); Sammelwerk »Das Kupferstichkabinett« (5 Bde., 1897-1901).


http://www.zeno.org/Brockhaus-1911. 1911.

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